Old Tom Gin

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Wieso ist dieser Gin anders als Dry Gin – und was hat Old Tom Gin mit einem alten schwarzen Kater zu tun? Erst mal nichts – sieht man einmal von den Folgen eines übermäßigen Alkoholgenusses ab. Aber spannend ist die Entstehungsgeschichte des Old Tom Gin schon – und es gibt tatsächlich eine Verbindung zu dem Vierbeiner.


Geschmacksprofil eines Old Tom Gin

Er ist nicht nur süß, sondern schmeckt vollmundig, rund und gefällig. Der typische Old Tom Genießer bevorzugt ihn im Vergleich zu trockenen, wacholderdominierten Dry Gins oder botanikal-lastigen New Western Dry Gins. Denn er vereint die verschiedenen Aromen auf sanfte Weise und mildert die Wacholdernote etwas ab.

So lässt sich das Trinkerlebnis durchaus als lieblich bezeichnen und so kann man Old Tom Gin Einsteigern auch ans Herz legen …

Wie trinkt man Old Tom Gin am besten?

Nur wenige Kenner trinken Old Tom Gin pur und eisgekühlt oder mischen damit einen Gin & Tonic, für den trockener Gin allerdings die bessere Wahl ist.

Mit Old Tom Gin wird stilvollerweise der „Plymouth Gin“ und der „Tom Collins Cocktail“ gemixt. Letzterer war schon 1876 vom Urvater der US-Mixologie Jerry Thomas kreiert worden. Damals hieß er noch John Collins. Zum „Tom Collins Cocktail“ wurde er erst, nachdem seine Beliebtheit besonders in New York quasi explodierte – und das alles, weil Old Tom Gin verwendet worden war.

Beispiele für Old Tom Gin: Haymans, Tanqueray Gin & Professor Cornelius Ampleforth's Old Tom Gin

Beispiele für Old Tom Gin: Haymans, Tanqueray Gin & Professor Cornelius Ampleforth’s Old Tom Gin


Herstellung von Old Tom Gin

Destillation von Old Tom Gin in Kupferbrennblase

Destillation von Old Tom Gin in Kupferbrennblase (Quelle: Capital Spirits / flickr.com – CC BY-SA 2.0)

Gin ist als besondere britische Form des kontinentalen Genever eine aus reinem Getreide wie Gerste und Roggen oder aus Melasse destillierte Spirituose. Ab dem zweiten Durchgang der Destillation hat sie vorzugsweise mit aromatischen Wacholderbeeren, aber auch mit anderen Gewürzen und Kräutern, Kontakt. Der Name Gin ist eine Verballhornung von juniper berry (engl. = Genever-Beere) – der beliebte Dry Gin beginnt mit 40 Vol.-% Alkoholgehalt und ist ein klassischer Grundstoff jeder Bar. Gin entsteht zunächst farblos und ohne Geschmack und bekommt anders als der verwandte Genever auch keine Zeit, in Fässern zu reifen.

Im Jahr 1830 wurde auf der britischen Insel ein Verfahren entwickelt, mit dem der im Vergleich zum holländischen Genever leichtere London Dry Gin herzustellen ist:

Der aus Getreidemalz erzeugte, schwache Alkohol wird unter Beigabe von Wacholderbeeren und Koriandersamen zweimal in kupfernen Brennkesseln hochdestilliert. Dry Gin ist bis dato Großbritanniens populärster Gin. Gleiches gilt für die USA, wo am meisten Gin hergestellt, aber auch am meisten britischer Gin importiert wird.

Nach dem Brennen wird Zuckersirup zugegeben, um den lieblicheren milden Old Tom Gin mit mindestens 37,5 Vol.-% zu erhalten.

Das Zuckern wurde ursprünglich neben der Zugabe von diversen Botanicals wie Zitrusfrüchte oder Anis und Süßholz üblich. Zucker soll den Geschmack harmonischer machen, aber auch schön im Hintergrund bleiben und nicht an einen Likör erinnern oder mit dem Sloe Gin vergleichbar sein.


Die Geschichte des Old Tom Gin

Old Tom kam zuerst im 18. Jahrhundert auf. Die Briten waren dabei, ihren aus Holland mitgebrachten Wacholderschnaps weiter zu entwickeln und größere Mengen zu erzeugen. Die Folge war ein regelrechter Hype um den Schnaps – Gin wurde in derartigen Riesenmengen konsumiert, dass Britanniens Arbeiterklasse beinahe lahmgelegt wurde.

Die Regierung Ihrer Majestät musste schleunigst aktiv werden: Folglich erging ein amtlicher „Gin Act“, der Regeln für die Produktion, den Verkauf und den Ausschank von Gin vorschrieb. Zusätzlich trieben massiv erhöhte Alkoholsteuern die Ginherstellung in den Untergrund und die Schwarzbrennereien florierten in Englands Kellern.

Pubs, Bars und Kneipen schenkten den Wacholderschnaps folglich überwiegend heimlich aus. Als Signalgeber für die Möglichkeit des heimlichen Gingenusses waren Holzschilder an die Häuser geschraubt worden, die die Form eines Katers hatten.

Gin to go!
Besonders clever war die Möglichkeit für die vorbeilaufende Kundschaft, einen Penny in das Maul der Katze werfen zu können. Darauf füllte der Barkeeper im Haus einen Schlauch mit gezuckertem Gin, der in die Katzenbeine floss, draußen diskret aufgefangen und ohne viel Aufsehen „to go“ getrunken werden konnte.

Alte schwarze Kater heißen im Englischen old tomcat – und so entstand der Name Old Tom Gin.

Old Tom Gin Flasche

Alte Old Tom Gin Flasche (Quelle: Cy Evans / flickr.com – CC BY 2.0)

 


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